Wie alles anfing

Der Traum, Bewegungen aufzunehmen und wiederzugeben, ist schon alt. Doch erst die Entdeckung, dass menschliches Auge und Gehirn in der Lage sind, eine schnelle Abfolge von stehenden Bewegungsphasen zusammenhängend wahrzunehmen, machte seine Realisierung möglich.

In die Erfindung des Filmes fließen viele verschiedene technische Entwicklungen ein. Im Folgenden seien nur einige genannt:
Mitte des 17. Jahrhunderts erfand der österreichische Jesuit Athanasius Kircher die Laterna Magica. Ein durch Kerzenschein erleuchtetes Bild wurde durch eine Linse vergrößert an die Wand projiziert. Zur gleichen Zeit, aber unabhängig davon, entwickelten der Belgier Joseph Plateau und der Österreicher Simon Stampfer 1832/33 das Lebensrad, das beim Betrachter den Eindruck bewegter Bilder erzeugte. Eine rotierende, mit einer Kurbel zu drehende Scheibe, die mit Bildern einzelner Bewegungsphasen bemalt war, wurde durch ebenfalls rotierende Sehschlitze angeschaut. Dies erweckte beim Betrachter die Illusion, dass sich die Figuren bewegen.

Bis 1839 entwickelten die Franzosen Joseph Nicéphore Niepce und Jacques Daguerre sowie der Engländer William Talbot die Fotografie.

Bewegungsstudien Eadweard Muybridge, Bewegungsstudien 1887

Die stehenden Abbilder der Wirklichkeit in Bewegung zu bringen, gelang nur schrittweise: 1878 nahm der Engländer Eadweard Muybridge erstmals Reihenfotos von einem Pferd in Bewegung auf (The Horse in Motion). Ähnliche Studien der Bewegung führte auch der deutsche Erfinder Ottomar Anschütz durch.

Während Muybridge das sogenannte Zoopraxiskop als Projektionsgerät entwickelte, führte Anschütz seine Fotos mit dem Schnellseher, einem Guckkasten mit rotierender Bildtrommel, vor. Der Franzose Etienne-Jules Marey kam bei seinen Experimenten mit Reihenfotografien dem Film am nächsten. Er verwendete keine feststehende Filmplatte, sondern führte einen Filmstreifen am Objektiv vorbei. Dieser Filmstreifen, den er mit bis zu 60 Mal pro Sekunde belichtete, bildete die Grundlage für die Aufnahme- und Betrachtungsgeräte des Amerikaners Thomas Alva Edison. Zusammen mit seinem Mitarbeiter W. K. Laurie Dickson verwendete er perforierte Zelluloidfilme für seine „lebenden Bilder“. Diese wurden ruckweise über ein Zahnrad am Objektiv vorbeigeführt und dabei belichtet. Für die Wiedergabe benutzte Edison ab 1892 das Kinetoskop, einen Guckkasten, in dem jeweils eine Person über eine Linse die mit einer Kurbel – später mit Elektromotor – daran vorbeigeführten Bilder betrachten konnte.

Cinématographe Lumière
Cinématographe Lumière

Obwohl sie also nicht wirklich Neuland betraten, gelten die Brüder Lumières als Väter des Films. Die einzige echte Neuerung die sie einführten, ist das System von Greifzähnen zum Transport des Films. Dass sie sich gegenüber der Konkurrenz durchsetzen konnten, ist nicht zuletzt ihren finanziellen Möglichkeiten zu verdanken. Ihr Cinématographe erfüllte bereits sämtliche erst später aufgestellten Kriterien für das neue Medium:
  • Sie benutzten perforierte Filmstreifen.
  • Durch die Bildfrequenz von 16 Bildern pro Sekunde hatten sowohl Aufnahme als auch Wiedergabe eine gute Qualität.
  • Jedes Bild steht bei der Aufnahme für die Belichtung und bei der Wiedergabe für die Projektion kurzzeitig völlig still und wird während der Transportphase verdunkelt.

Von Zügen und Küssen

1893 baut Thomas Alva Edison das erste Filmstudio in West Orange/New Jersey/USA

Die Brüder Max und Emil Skladanowsky geben in Berlin am 1. November 1895, also noch vor den Brüdern Lumière, im Varieté Wintergarten eine erste öffentliche Filmvorführung mit einem von ihnen entwickelten Apparat, dem Bioskop. Die Brüder Skladanowsky können sich auf Dauer mit ihrem technisch erst unausgereiften Verfahren nicht durchsetzen und geraten fast in Vergessenheit.

Die Brüder Auguste und Louis Lumière führen am 28. Dezember 1895 ihre Erfindung den Cinématographe in der Öffentlichkeit vor. Dies wird als Geburtsstunde des Kinos gehandelt. Gezeigt werden elf Filme mit einer Durchschnittslänge von je einer Minute, somit dauerte die gesamte Veranstaltung etwa 20 Minuten. Sie zeigen Filmaufnahmen von Arbeitern, die in eine Fabrik gehen und eine Zugeinfahrt in den Bahnhof von La Ciotat, in dem eine Lokomotive dicht an der Kamera vorbeirast. Einige der Zuschauer sollen vor Angst sogar hinter die Sitzbänke gesprungen sein.

Georges Méliès baut 1896 das erste Studio in Europa in Montreuil-Bois/Frankreich.
The Kiss, 1896 – Kamera: William Heise The Kiss, 1896

Der Film The Kiss zeigt den ersten Filmkuss.

1897 öffnet in Paris das erste Kino seine Pforten.

1898 dreht der Engländer Robert William Paul den ersten Film mit mehreren Szenen:
Come Along Do!

Mehr Informationen zu: Thomas Alva Edison (www.wikipedia.org) Auguste und Louis Lumière (www.wikipedia.org) Georges Méliès (www.wikipedia.org)
 

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