Filmlicht
Licht und Dramaturgie

Film – das ist nicht zuletzt die Kunst der Beleuchtung. Licht kann im Film ein wahres Zaubermittel sein. Licht lässt den Betrachter Bilder sehen, die im Ausschnitt einer Kameraeinstellung inszeniert werden. Die Art der Beleuchtung, gleich ob natürlich oder künstlich, verleiht einem Bild seinen besonderen Charakter und seine Stimmung. Licht schafft Stimmungen, kann handelnde Figuren charakterisieren.

„Das Licht bestimmt Stimmung, Atmosphäre, den Platz der Menschen in der Welt. Das Licht ist sehr mächtig. Es bestimmt die Symbolik eines Bildes“
Sophie Maintigneux, Kamerafrau

Mit Lichteffekten kann der Kameramann Orte und Menschen modellieren. Das richtige Licht kann dicke Wangen schmal wirken lassen, sanften Gesichtern eine harte Züge verpassen, müde Augen in einem lebendigen Glanz glänzen lassen und unscheinbare Menschen interessant machen.

Eine hell erleuchtete, von der Sonne beschienene Landschaft oder eine hell erleuchtete Wohnung strahlen Freundlichkeit und Übersichtlichkeit aus. Sie vermitteln uns den Eindruck, dass dort nichts verborgen ist, alles ist sichtbar.

„Diese Möglichkeit des direkten Zugriffs auf die Stimmungslage des Zuschauers ist ein phantastisches Mittel für die Filmgestaltung. Licht kann die jeweilige Grundstimmung unmittelbar ins Unterbewusstsein der Zuschauer transportieren. Die Lichtfarbe signalisiert dem Betrachter die Stimmungslage der Szene. Blaues Licht erzeugt eine gewisse Kälte, Rot und Gelb dagegen strahlen Wärme aus.“
Achim Dunker, Licht- und Schattengestaltung im Film, München 2001

Die Beleuchtung ist in erster Linie die Aufgabe des Kameramannes. Er bestimmt die Belichtung für ein Bild anhand der Empfindlichkeit des Filmmaterials, der Intensität des Lichts am Motiv und der Öffnung des Objektivs.

Die Wirkungsweise des Lichts beruht auf vier Grundeigenschaften:

  • Lichtqualität (Farbton, Farbsättigung),
  • Lichtcharakter (Diffusionsgrad: weiches, hartes Licht und entsprechende Schatten),Lichtquantität (Helligkeit, die Auswirkungen auf die Raumrepräsentation hat und dunklere Objekte weiter entfernt scheinen lässt) und
  • Lichtrichtung (hier wird unterschieden zwischen Frontal-, Seiten- und Gegenlicht, die in unterschiedlicher Art und Weise die Textur der Objekte offenbaren können).

Licht und Schatten im Film können eine eigene narrative Kraft besitzen Sie können den Plot und die Erzählung des Films dramaturgisch unterstützen. Mit Licht kann die Aufmerksamkeit des Zuschauers gelenkt und die Kontinuität in der Montage gewahrt werden. Bewusst eingesetzte Beleuchtung kann zur Rhythmisierung, zur Herstellung atmosphärischer Stimmung und zur Charakterisierung von Personen dienen.
 

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