Filmmontage – Eine Annäherung Filmmontage beinhaltet im Deutschen zwei Aspekte: Filmmontage meint zum einen die theoretische Beschäftigung mit Filmgestaltung. Und Filmmontage bezeichnet die handwerkliche Tätigkeit des Film- und des Videoschnitts. Um beide Bereiche wird es im Folgenden gehen. Dabei geht es jedoch nicht primär darum, Regeln oder Normen zu vermitteln, sondern Montage als ein fließendes, immer neuen Veränderungen unterworfenes Prinzip zu begreifen: Also kein Montageregelkatalog, sondern Montage begreifen als eine offene filmische Methode, die von vielen Variablen abhängig ist: von der technischen Entwicklung, vom Zeitgeist, von Genres, Regiestilen und Montagekonventionen und nicht zuletzt von der Kenntnis und der individuellen Handschrift des Editors. Die Kenntnis einiger Montagemittel kann helfen, den Blick zu schulen, die eigenen Möglichkeiten zu entdecken und zu entwickeln. Natürlich kann man niemanden per Unterricht beibringen, wie man schneidet. Man kann nur Hinweise und Tipps weitergeben, die der andere befolgen sollte. Diese Tipps sind keine Regeln; wenn es feste Regeln für den Schnitt gäbe, könnte man sie in ein Buch schreiben, und jeder könnte Cutter werden. William Hornbeck, Stummfilm- und Toneditor, später Vizepräsident bei Universal „Montage besitzt keine Verkehrsregeln und -verstöße. Wir lehren keine Rezepte, Schnittregeln oder Tricks. Die einzigen Schnittfehler sind Halbherzigkeit und Lauheit. Jeder Film muss zu seinem ihm eigenen stimmigen Ausdruck finden. Für jeden Film gilt es, eine Sprache erst aufzuspüren. Dazu gehört das Recht auf Scheitern. Dazu gehört Mut und ein Umfeld der Ermutigung.“ Gerhard Schumm, Notizen zum Studium der Montage an der HFF-Babelsberg www.montagetheorie.de ... was kann Montage "Das Herz des Films liegt zwischen den Einstellungen. Der Filmschnitt gibt den Takt vor, diktiert die Ordnung der Bilder und das Timing der Geschichte." www.filmpluskoeln.de "Im Schneideraum wird der Film, nach dem Schreiben und Drehen ein drittes Mal geboren." André Bresson, Regisseur "Denn der Schnitt ist die eigentliche Erfindung des Kinos: Bilder zu montieren, in eine Reihenfolge zu stellen, sie mit Tönen und Musik zu verbinden. Es ist eine unsichtbare Kunst, man sieht sie nicht, man hört sie nicht." Jan Schütte "Der Schnitt ist eines der emotionellsten Elemente des Filmemachens." Federico Fellini, Regisseur  Im Schneideraum Robert O’Flatherty und Helen van Dongen Der Schneideraum ist geheimnisvoller, ein verborgener Raum. Der Cutter ist ein unsichtbarer Mensch. Er ist der heimliche Arrangeur und Rhythmisierer, der einen Film völlig zerstören, aber auch retten und zur Vollendung bringen kann. Seine Kunst besteht, wie Jean-Luc Godard es ausdrückte, in der größenwahnsinnigen Zurückhaltung" . Der Cutter hat große Macht und muss jedoch alles tun, um sie fortwährend zum Verschwinden bringen. Wir sprechen von Autorenfilmen, Charakterdarstellern oder der visuellen Kraft der Kamera. Dabei rückt der Filmschnitt, der ein essentielles Element des Filmens ist, oft in den Hintergrund, wird als selbstverständlich, beinahe nebensächlich angesehen. Häufig findet er nur in Extremfällen Beachtung: So zum Beispiel bei SPUN (2003) von Jonas Akerlund, mit seinen 4.500 Schnitten oder RUSSIAN ARK 1996/2003) von Aleksandr Sokurov, der mit 2.000 Schauspielern 300 Jahre russische Geschichte in einer einzigen Einstellung erzählt. Doch das sind die Ausnahmen. Filmschnitt hat eine große Verantwortung und ist einer der wichtigsten Schritte der Post-Produktion. Editing geht weit über den technischen Prozess hinaus und fordert einen kreativen Arbeitsprozess, der den Film im Schneidraum neu entstehen lässt. Schnitt ist das, was den Film von anderen Medien unterscheidet. Während das Drehbuch aus der Literatur hervorgeht, die Kamera aus der Fotografie und die Schauspieler aus dem Theater, repräsentiert der Schnitt das Temporäre, die Basis des Films durch das Ordnen des Materials. Ganz einfach ausgedrückt werden beim Filmschnitt die von Kameras aufgenommenen Bilder und die sie begleitenden Töne gesichtet, aussortiert und richtig mit einander verbunden. Klingt simpel, nach einer Arbeit, die in wenigen Stunden durchgeführt werden könnte und wenig Kreativität erfordert. In Wahrheit dauert er aber bis zu über einem halben Jahr und so oft länger als die eigentlichen Dreharbeiten. Bei einem abendfüllenden Spielfilm (ab 85 Minuten) benötigt durchschnittlich etwa zwei Monate für den reinen Bildschnitt. Dann kommt anschließend noch der Tonschnitt dazu. Aber nicht nur der Zeitaufwand ist falsch kalkuliert, sondern die eigentlichen Möglichkeiten der Tätigkeit nicht begriffen. Nach Meinung vieler Profis entsteht der eigentliche Film erst am Schneidetisch. Der kann natürlich nur so gut werden, wie das Material geraten ist. Der Schnitt entscheidet mit über Farben, Rhythmus, Klänge und Stimmungen, die ein Film vermittelt. Der Schnitt kann die Handlung und den Inhalt eines Filmes mitbestimmen - nicht nur durch das einfache Wegschneiden von Teilen des Filmes, sondern vielmehr durch die Art, wie einzelne Elemente wieder zusammengefügt werden. - Montage organisiert die filmische Zeit und den filmischen Raum.
- Montage schafft die inhaltliche und zeitliche Kontinuität des Films.
- Montage bestimmt den Rhythmus des Films.
- Montage ist die inhaltliche Organisation der Szenen, Sequenzen und Einstellungen im Film.
Die Form der Montage hängt zum Beispiel vom Stil und Thema des Films, vom Zeitpunkt des Geschehens und den Gefühlen und Stimmungen im Film ab. Montage bedeutet neben handwerklichem Können auch die künstlerische Komposition von Einstellungen zum Ganzen des Films. Sie ist die Kunst, Emotionen zu erzeugen, den Zuschauer in die gewünschte Gefühlslage versetzt. Auch wenn das Drehbuch einzelne Bildeinstellungen und ihre Reihenfolge bis ins Detail festlegt, gibt es immer noch unendlich viele Möglichkeiten diese zusammenzustellen. Bei gleichem Ausgangsmaterial werden verschiedene Cutter verschiedene Filme montieren. Der Cutter (Editor, Monteur) ist nicht nur der erste objektive Zuschauer, dessen Meinung nicht von den Stimmungen und Vorgängen am Drehort abhängt. Keiner, außer dem Regisseur, beschäftigt sich zeitlich so lange mit der kreativen Gestaltung des Filmes wie der Cutter. Weitere Informationen zu: SPUN, Jonas Akerlund, 2003 www.arte-tv.com Weitere Informationen zu: RUSSIAN ARC, Alexandr Sokurov www.arte.fr |