Kamera
Film- und Videotechnik im Vergleich

Fotografieren lässt sich sehr vereinfacht so darstellen: In einen dunklen Kasten fällt durch eine Öffnung eine bestimmte Menge Licht auf ein lichtempfindliches Material. Damit man ein brauchbares Abbild der Szenerie erhält, muss genau die richtige Menge Licht mit dem Filmmaterial reagieren.

Dieser Belichtungsvorgang wird im Wesentlichen durch die folgenden drei Faktoren bestimmt:

  • die Verschlusszeit,
  • die Blende und
  • die Empfindlichkeit des Aufnahmematerials.

Filmkameras funktionieren ganz ähnlich wie Fotoapparate. Der entscheidende Unterschied jedoch ist, dass die Filmkamera nicht nur ein Einzelbild aufnimmt, sondern in regelmäßigen Abständen eine Folge von Bildern. Bei der Filmkamera wird der Film durch das Gerät transportiert, normalerweise 24 Mal in der Sekunde angehalten, belichtet und so weiter transportiert, dass kein Licht auf ihn fällt.

Bei der Projektion entsteht wieder der Eindruck kontinuierlicher Bewegung. Genau in dieser Fähigkeit – die Illusion von Bewegung entstehen zu lassen – beruht die Faszination des Films. Nachbildwirkung wird der Effekt genannt, der es dem Auge ermöglicht ein Bild länger festzuhalten, als es tatsächlich vorhanden ist. Obwohl der Kameraverschluss sich öffnet und schließt und Licht und Dunkelheit sich abwechseln, während mit vierundzwanzig Einstellungen (beim Film) leicht unterschiedliche Bilder aufgenommen werden, sehen wir jedes Bild lange genug, um die Wirkung einer fortlaufenden Bewegung entstehen lassen. Wird langsamer projiziert als aufgenommen, entsteht eine Zeitlupenwirkung, wird schneller projiziert als aufgenommen eine Zeitrafferwirkung.

Es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Aufzeichnungssysteme: Video (darunter fassen wir auch digitale Aufzeichnungsverfahren) und Film. Alle Filmkameras haben demselben Hauptzweck: Ein bewegtes Motiv als Serie aufeinander folgender Bilder auf einem Streifen lichtempfindlichem Films – oder bei Video auf Magnetband oder Festplatte – festzuhalten.

Auf den ersten Blick findet man nur wenige Gemeinsamkeiten, wenn man Filmtechnik und Videotechnik miteinander vergleicht. Kennt man die spezifischen Eigenschaften und Vorteile des jeweiligen Systems, kann man genau mit diesen Stärken und Schwächen arbeiten, sie gezielt einsetzen.

FilmVideo
hohe Auflösung und Detailschärfeeingeschränkte Auflösung und mäßige Detailschärfe
hoher Farb- und Kontrastumfang (abhängig vom Filmmaterial
und dem chemischen Entwicklungsprozess, nahezu unendlich viele Variationen möglich)
begrenzter Farb- und Kontrastumfang ( 8 Bit = 256 Abstufungen, 10 Bit = 1024 Abstufungen, 12 Bit = 4096 Abstufungen)
präzise justierbare Schärfentiefesehr beschränkte Möglichkeit zur Einflussnahme auf die Schärfentiefe
 24 Vollbilder pro Sekunde 50 bzw. ~60 fps, 24p, 25p, etc.
sehr hohe Kosten für Geräte und Filmmaterialim High-End Bereich sehr teure Geräte aber niedrige Kosten für Videobänder
hohe Bearbeitungskosten im Schnittvergleichsweise niedrige Kosten im Schnitt
hohe Bearbeitungskosten in der Postproduktionbei vergleichbar hohem Qualitätsanspruch, sehr hohe Bearbeitungskosten in der Postproduktion
Kopien sehr teuerKopien kostengünstig und einfach zu erstellen
  

Die Videokamera

Die Videokamera – gleich ob analog oder digital – funktioniert rein elektronisch. Hinter dem Objektiv, das die Lichtstrahlen bündelt, sitzen drei (oder ein) lichtempfindliche Chips – CCD-Chips –, die elektronische Signale erzeugen, die dann auf das eingelegte Videoband aufgenommen werden. Bei Drei-Chip-Kameras erzeugt jeder Chip eine der drei Grundfarben Rot-Grün-Blau, herauskommt ein das RGB-Signal. Eine digitale Kamera funktioniert genauso, nur werden dann auf dem Band keine magnetischen Aufzeichnungen angebracht, sondern digitale Informationen.

Es gibt zwei Verfahren Videosignale aufzuzeichnen:

  • das bandgestützte Verfahren und
  • das festplattengestützte Verfahren.

Bei den bandgestützten Verfahren wird das Videosignal in analoger oder digitaler Form linear auf ein magnetisches Band aufgezeichnet und beim Abspielen wieder auf dem Bildschirm konvertiert. So lassen sich sowohl analoge als auch digitale Signale aufzeichnen. Festplattengestütze Verfahren hingegen können nur digitale Daten aufzeichnen, weil sie im Verbund mit einem Computer stehen. Hier werden die Daten nonlinear auf Festplatten und vergleichbare Wechselmedien gespeichert.

Die meisten Recorder arbeiten mit vier Spuren:

  • einer Videospur, die die Bildinformation, die Luminanz- und die Chrominanzsignale, je nach Videoformat, getrennt oder kombiniert aufzeichnet,
  • zwei Audiospuren, die den Ton längs am Rand des Bandes aufnehmen und
  • einer Kontrollspur (CTL), die den Synchronimpuls zur Steuerung des Bandes registriert.

Professionelle Geräte können eine weitere Spur mit dem Timecode (LTC) aufzeichnen. Und eine weitere Form des Timecodes, der VTIC, wird integriert in die Bildinformation aufgenommen. Durch die Nummerierung der Bilder auf dem Band lassen sich beim Schnitt den Zeitdaten Bilder zuordnen.


Videokamera


Filmkamera

Die Filmkamera

Die Filmkamera funktioniert rein mechanisch-optisch. Hinter dem Objektiv liegt das Bildfenster an dem der Film über eine komplizierte Mechanik vorbeigeführt wird und eine kurze Zeit festgehalten wird, damit die Lichtstrahlen durch das Objektiv den Film belichten können. Dann dreht sich die Umlaufblende und verschließt das Bildfenster, so dass neuer unbelichteter Film an das Bildfenster geführt werden kann. Der belichtete Film wird in der Filmkassette wieder aufgerollt. Diese ganze Prozedur erfolgt dann ca. 24 Mal in der Sekunde!

Das Bild fällt auf ein mit einer lichtempfindlichen Emulsion beschichtetes Filmmaterial.  Schneller Fim ist lichtempfindlicher und erfordert daher weniger Licht auf dem Motiv, um ein Bild entstehen zu lassen. Langsamer Film ist weniger lichtempfindlich, es entstehen jedoch klarere, weniger körnige Bilder mit einem ausgewogenen Kontrast zwischen Licht und Dunkel.

Der Kameramann kann diese verschiedenen Wirkungen des Filmmaterials gezielt einsetzen, und so dem Betrachter ein ganzes Spektrum an Stimmungen und Informationen vermitteln.
 

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