Ein Streifzug durch die Geschichte des Dokumentarfilms Der Begriff des Dokumentarischen ist eng mit der Entwicklung der photo-optischen Medien verbunden. Bereits seit den Anfängen des Mediums Film besteht der Wunsch nach einer Apparatur, die ein unverfälschtes Abbild der Wirklichkeit erzeugen kann – nach einem Dokument, das die sichtbare Welt auf eine neue und eindringliche Weise beobachtbar, analysierbar und speicherbar werden lässt. So sind dann auch die ersten Filme Reproduktionen von Szenen des realen, häufig des alltäglichen Lebens DER MANN MIT DER KAMERA, Regie: Dziga Vertov, 1929 Auf den Begriff gebracht wird der Dokumentarfilm jedoch erst fast drei Jahrzehnte später, als das Hauptaugenmerk auf den fiktionalen Spielfilm gerichtet war. Erst in Abgrenzung gegenüber dem Trend zum fiktionalen Film entstehen in den 20er Jahren ein eigenes Genre und ein ganzes Formenarsenal dokumentarischer Darstellungsformen. Diese Entwicklung des Dokumentarischen wird von Beginn an begleitet von theoretischen Kontroversen über die Frage nach den richtigen Bildern der Wirklichkeit. Inszenierung und Dramatisierung des Alltagslebens Wann die Geschichte des Dokumentarfilms beginnt, ist also Definitionssache. In der frühen Filmgeschichte gab es die Unterschiede zwischen dokumentarischen und fiktionalen Formen nicht. Dennoch ist die Geburtsstunde des Films zugleich auch die des Dokumentarfilms. Nachdem durch Thomas Edison und Louis Lumière 1894 das Zeitalter der Kinematographie eingeleitet wurde, war es möglich geworden Außenaufnahmen zu machen und somit erste Dokumentationen. Die Brüder Lumière begannen Szenen aus dem Alltag zu filmen und 1895 in Paris ihre ersten dokumentarischen Streifen gegen Eintrittsgeld auf Kinoleinwand vorzuführen. Filme, in denen Arbeiter die Lumière-Fabrik verlassen und die Ankunft eines Zuges. Aufgrund des Erfolges dieser Filme schickten die Brüder Lumière Ende 1895 Reporter in die ganze Welt, um Sehenswürdigkeiten und öffentliche Ereignisse aufzunehmen. Max Skladanowsky, Oskar Messter oder Thomas Edison lieferten ebenfalls kurze Ansichten von Städten und exotischen Reisezielen. In der Literatur spricht man hier häufig von einem Kino der Attraktionen, einem Kino, das vornehmlich der Unterhaltung diente. Neben Dokumentationen, Aktualitäten und Expeditionsfilmen entstanden auch bald inszenierte Filme. Die Illusion des fotografischen Realismus in bewegten Bildern genügte dem Publikum nicht mehr. Mit Georges Méliès und seiner Fortsetzung der Zauberei mit kinematographischen Mitteln, wie in REISE ZUM MOND (1902), begann die Geschichte des Spielfilms. |
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