Camera Acting
Schauspieler – ein Traumberuf? Was braucht man, um Schauspieler zu werden? Spielwut und Unbedingtheit, Talent und natürlich die Ausbildung der eigenen Fähigkeiten. In Deutschland kann man zwei Wege einschlagen: Das meist vierjährige Vollzeit-Studium an einer staatlichen oder städtischen Schauspielschule oder Kunsthochschule mit der Fachrichtung Schauspiel oder Unterricht an einer der zahlreichen privaten Schauspielschulen bzw. der private Einzelunterricht bei einem Schauspiellehrer. An den Hochschulen wird eine abgeschlossene Schulbildung (Mittlere Reife oder Hochschulreife) vorausgesetzt. Nur bei besonderer künstlerischer Begabung kann davon abgesehen werden. Auswahlkriterien und Zulassungsbeschränkungen sind nicht zuletzt aufgrund der großen Nachfrage hart. Das Mindestalter beträgt 18 (an manchen Schulen 17) Jahre; das Höchstalter zu Beginn des Studiums 24 bzw. 25 (an der Universität der Künste Berlin 28) Jahre. Ein ärztliches Attest, dass man den körperlichen und psychischen Belastungen der Ausbildung gewachsen ist, ist meist auch erforderlich. Am Anfang des Weges steht sowohl bei öffentlichen wie auch den meisten privaten Schauspielschulen eine Aufnahmeprüfung, in der die verschiedenen Fähigkeiten und die Motivation der Bewerber erkundet werden. Zur künstlerischen Eignung für den Beruf des Schauspielers und zu seiner Arbeit gehören ebenso unerlässlich Menschenkenntnis, Grundkenntnisse der Psychologie, Soziologie, Geschichte und Kunstgeschichte wie Fantasie und hohe physische Belastbarkeit. Die Ausbildungswege und Unterrichtsmethoden an den einzelnen Schulen unterscheiden sich ebenso erheblich wie die Kosten, die im Laufe der Ausbildung anfallen: Während an den staatlichen und städtischen Akademien, die zum Diplom-Schauspieler ausbilden, das Studium kostenfrei ist, ist dies bei privaten Schulen nicht der Fall. Viele Schulen arbeiten eng mit einem Theater zusammen, um von Beginn an einen Bezug zur Praxis herzustellen. Um als Schauspieler an einem Theater engagiert zu werden, bedarf es der Bühnenreifeprüfung. Erst mit Bestehen dieser Prüfung wird der Schauspieler in das Verzeichnis der Zentralen Bühnen-, Fernseh- und Filmvermittlung (ZBF) aufgenommen. Diese größte deutsche Vermittlungsagentur für Schauspielberufe betreut mit ihren Agenten die Absolventen der Schauspielschulen im gesamten deutschsprachigen Raum. In der langen Geschichte der Schauspielkunst haben sich ganze Darstellungsschulen entwickelt. Eine Frage dabei ist die Form des Spiels. Soll sich der Schauspieler ganz in die Rolle einleben? Oder soll er sie darstellen, eine handwerkliche Distanz zum Spiel und seinen darstellerischen Mittel haben. Stanislawski, Strasberg, Meisner, Grotowski, Brecht stehen für unterschiedliche Theateransätze und Theorien. Unabhängig von der inhaltlichen Konzeption werden an Schauspieler unterschiedliche Anforderungen gestellt, je nach dem ob sie auf einer Bühne mit weiter Distanz zum Publikum, vor einer Filmkamera (mit hoher Auflösung in Großaufnahmen) oder für eine Fernseh-Produktion arbeiten. Deshalb sind verschiedene Lehrgänge und spezielle Qualifizierungsmöglichkeiten für Medienschauspieler entstanden, in denen man das Spiel vor der Kamera erlernt. "Im Theater stirbt man jeden Tag neu, beim Film nur einmal. Man bekommt den Text, den man vorher einstudiert, dazu einige kurze Vorgaben, und muss die Rolle viel schneller umsetzen. Die Gefahr dabei ist natürlich beim Klischee zu landen. In meinem Fall - oft habe ich nur einen Drehtag, zum Beispiel bei Tatort - ist es meist so, dass ich keinen Charakter entwickeln kann", so der Schauspieler Michael Reimann. Verglichen mit den Gehältern der Filmschauspieler verdient ein Schauspieler am Theater sehr schlecht. Hinzu kommen die Einsparungen öffentlicher Mittel im Kulturbereich, die auch die Theater hart treffen. Über 3000 arbeitslose Schauspieler führt die Bundesagentur für Arbeit in ihrer Statistik. Die Dunkelziffer liegt sehr viel höher, die inoffizielle Arbeitslosenquote beträgt wohl knapp 25 Prozent. Man vermutet in Deutschland zwischen 10.000 und 15.000 Schauspieler, genaue Zahlen gibt es nicht. Denn die Berufsbezeichnung „Schauspieler“ ist nicht geschützt und kann von jedem verwendet werden. |
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