Filmmontage
Filmemacher, Cutter, Filmtheoretiker über Montage – to be continued: Montage ist ... "Montage ist die einzige neue Kunstform, die das 20. Jahrhundert hervorgebracht hat." Alfred Hitchcock, Filmregisseur, Autor "Der eigentliche Zweck der Montage liegt, wie für jedes Erzeugnis der Kunst, in der Erkenntnisvermittlung: Die Aufgabe, das Thema, das Sujet, Handlungen, Taten, die Dynamik zusammenhängend und folgerichtig darzulegen." Sergej Eisenstein, Filmregisseur, Filmtheoretiker "Das Wesen des Films muss nicht innerhalb der Grenzen des gefilmten Fragments gesucht werden, sondern in der Verkettung dieser Fragmente." Lew Kuleschow, Filmregisseur, Filmtheoretiker "Die Kunst, einzelne aufgenommene Teilstücke so zu vereinigen, dass der Zuschauer im Resultat den Eindruck einer ganzen, kontinuierlichen, fortlaufenden Bewegung bekommt, sind wir gewohnt, Montage zu nennen." Wsewolod I. Pudowkin. Filmregisseur, Filmtheoretiker "Die Bildhauerei aus Zeit "(...)Doch die gliedernde Anordnung von Einstellungen mit bewusst unterschiedlichem zeitlichen Spannungsdruck darf dem Leben nicht etwa durch willkürliche Vorstellungen entsprechen, sondern muss von innerer Notwendigkeit bestimmt werden, organisch für die Materie des Filmes insgesamt sein. Denn wenn das Organische solcher Übergänge gestört ist, werden die Montageakzente, die der Regisseur ja eigentlich kaschieren wollte, sofort augenfällig. Eine Koordination von zeitlich ungleichen Einstellungen führt unwillkürlich zu einem Rhythmusbruch. 'Wenn dieser allerdings durch das innere Leben der hierbei koordinierten Einstellungen vorbereitet wurde, dann kann er sich durchaus als unabdingbar für das hier notwendige Rhythmusbild erweisen. Man denke dabei nur an die verschiedenen möglichen Formen zeitlichen Spannungsdrucks. Symbolisch gesprochen, an die Unterschiede von Bach, Fluss, Strom, Wasserfall und Ozean. Deren Koordinierung erbringt ein einmaliges rhythmisches Gemälde, eine vom Zeitempfinden ihres Autors ins Leben gerufene organische Innovation. Da nun das Zeitempfinden ein Bestandteil der lebendigen Wahrnehmung eines Regisseurs ist und der jeweilige Rhythmusdruck der montierten Teilstücke den entsprechenden Montageschnitt diktiert, manifestiert sich in der Montage auch die spezifische Handschrift eines Regisseurs. Die Montage bringt das Verhältnis des Regisseurs zu seinem Konzept zum Ausdruck, und durch die Montage wird auch der Weltsicht dieses Regisseurs endgültige Gestalt gegeben. Meiner Meinung nach ist ein Regisseur, der ohne weiteres seine Filme auf verschiedene Arten montieren kann, alles andere als tief greifend. Die Montage von Bergman, Bresson, Kurosawa oder Antonioni wird man immer sofort erkennen können. Man wird sie niemals mit irgendjemandem verwechseln. Denn ihr Zeitempfinden, das im Rhythmus zum Ausdruck kommt, ist stets ein und dasselbe. Die Montagegesetze muss man natürlich genauso gut wie alle übrigen Gesetze seines Handwerks beherrschen. Die schöpferische Arbeit beginnt aber erst in dem Moment, wo diese Gesetze verletzt und deformiert werden. So kann aus der Tatsache, dass Leo Tolstoi kein derart konsequenter Stilist wie Iwan Bunin war und seine Romane sicher nicht die Eleganz und Vollkommenheit einer Buninschen Erzählung haben, ganz bestimmt nicht der Schluss gezogen werden, dass Bunin »besser« als Tolstoi sei. Man wird vielmehr Tolstoi seine eher gewichtigen, nicht immer gerechtfertigt langen Sätze und etwas schwerfälligen Phrasen nachsehen. Ja, man beginnt sie gar als Besonderheit zu lieben, die die Tolstoische Individualität ausmacht. Wenn man aus dem Kontext der Werke von Dostojewskij die darin enthaltenen Personenbeschreibungen extrapoliert, dann hat man unwillkürlich schöne Menschen mit ausgeprägten Lippen, bleichen Gesichtern usw. vor sich. Doch angesichts der Tatsache, dass wir es hier nicht bloß mit irgendeinem Handwerker, sondern mit einem Künstler und Philosophen zu tun haben, tut dies letztlich nichts weiter zur Sache. Bunin, der Tolstoi ganz außerordentlich hoch schätzte, hielt dessen Roman »Anna Karenina« für sehr misslungen und versuchte ihn bekanntlich erfolglos umzuschreiben. Das ist so wie mit organischen Gebilden: Sie sind, ob sie nun gut oder schlecht sind, lebendige Organismen, deren Leben man nicht stören sollte. Genauso verhält es sich auch mit der Montage: Es kommt nicht darauf an, diese bloß virtuos zu beherrschen. Man muss vielmehr spüren,' dass sie für das Besondere, das man zum Ausdruck bringen möchte, auch tatsächlich organisch notwendig ist... Vor allem aber muss man wissen, warum man überhaupt zum Kino kam, was man eigentlich sagen und warum man dies ausgerechnet mit der Poetik des Films tun will. Es muss einmal ausgesprochen werden, dass man in den letzten Jahren immer häufiger junge Leute trifft, die gleich nach Absolvierung der Filmschule bereit sind, das zu tun, was in Russland »nötig« ist, beziehungsweise, was im Westen besser bezahlt wird. Das ist wirklich eine Tragödie! Handwerkliche Probleme sind letztlich Nebensächlichkeiten! Man kann alles erlernen, man kann nur nicht lernen, unabhängig und mit Würde zu denken, ebenso wenig wie man erlernen kann, eine Persönlichkeit zu werden. Wer einmal seine Prinzipien verraten hat, kann auch in der Zukunft keine saubere Haltung mehr zum Leben einnehmen. Wenn also ein Filmregisseur davon spricht, dass er jetzt zunächst einen nur vorläufigen Film mache, um Kräfte zu sammeln für jenen Film, von dem er eigentlich träume, so ist das nichts als Betrug oder - was noch schlimmer ist - Selbstbetrug !Er wird in diesem Falle nämlich niemals seinen Film drehen!" Montage ist letztlich nur eine ideale Variante zusammengeklebter Einstellungsgrößen, eine Variante, die bereits a priori in dem auf dem Filmstreifen fixierten Material angelegt ist. Einen Film richtig montieren heißt, dabei nicht die organische Verbindung der einzelnen Szenen und Einstellungen stören, die sich ja gleichsam schon selbst vormontiert haben, da in ihnen ein Gesetz lebendig ist, nach dem sie sich zusammenfügen, das man beim Schnitt und Zusammenkleben der einzelnen Teile eben herausspüren muss." Andrej Tarkowskij, Filmregisseur, Autor "Die ganze Kraft der kinematographischen Wirkung liegt in der Montage. Nirgendwo anders kann man mit dem bloßen Rohmaterial solche völlig unerwarteten und scheinbar unglaublichen Dinge erreichen. Das ist in jeder anderen Form des Schauspiels als der des Kinos unmöglich, wobei das Ergebnis nicht durch Tricks, sondern allein durch die Organisation des Filmmaterials gewonnen wird." Lew Kuleschow, Filmregisseur, Filmtheoretiker "Die Montage ist die Kritik am Gedrehten, so wie das Drehen die Kritik am Drehbuch ist." François Truffaut, Filmregisseur, Autor "Wenn Inszenieren ein Blick ist, dann ist Schneiden ein Herzschlag." Jean-Luc Godard, Filmregisseur, Autor "Mehr als andere filmische Mittel ist es die Montage, die dafür sorgt, dass das Sehen eines Filmes etwas Besonderes wird, etwas, das es außerhalb des Filmes überhaupt nicht gibt, und das vielleicht deshalb seine Faszination ausmacht." Jan Marie Peters, Filmtheoretiker "Die tatsächliche Montage besteht darin, zwei Dinge zusammenzubringen, in Kontakt, um ein Drittes sichtbar zu machen, das in beiden vorhanden war: „Ein Bild ist nicht stark, weil es brutal oder phantastisch ist, sondern weil es eine fern liegende Ideenassoziation zustande bringt.“ Die Montage fördert Neues zutage und entdeckt." Frieda Grafe, Filmkritikerin, Filmtheoretikerin, in: Die Geschichte von der Einsamkeit der Helden, Süddeutsche Zeitung 2. 12. 2000 "Eine Dokumentation braucht eine andere Art der Vorbereitung. Aber das ist eben schwer. Du schreibst hier ein Treatment, fährst an den Drehort und findest Umstände, die du nicht einkalkulieren kannst. Ob die aufgeschriebene Abfolge einzuhalten war, habe ich erst gesehen, als ich das Material vor mir hatte. Das Sortieren war dann wie ein Puzzlespiel. Und erst als ich dachte, das ist jetzt die richtige Reihenfolge, habe ich angefangen, auf Länge zu schneiden. Die Vorarbeit, das Sichten der Bilder und das Lesen der Texte, die gesprochen werden und eventuell später in Kommentare umgesetzt werden, die Arbeit dauert länger als das eigentliche Schneiden des Films. Ich habe mit Erwin Leiser zum Beispiel den Dreiteiler 75 JAHRE UFA gemacht, bei dem wir 60.000 Meter Material zur Verfügung hatten und Ausschnitte aus alten Filmen ab 1898. Hier das herauszusuchen, was man für das Wichtigste hielt, um Filmgeschichte so darzustellen, dass man sie sich gerne anguckt, dass man etwas daraus lernt und es auch ein bisschen spannend ist, war schon eine enorme Arbeit." Thea Eymész, Cutterin u. a. von R. W. Fassbinder "Ein Regisseur, der seinen Film nicht selbst schneidet, lässt zu, dass er selbst in eine fremde Sprache übersetzt wird." Jean Cocteau, Filmregisseur, Autor "Wissen Sie, die Technologie ermöglicht vieles, doch sie kann dem Werk keine Seele geben." Araksi Mouhibian, Cutterin www.schnitt.de |
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