Filmformate Im Gegensatz zur Malerei, bei der das Bildformat variabel ist, ist das Gesichtsfeld im Kino eine konstante Größe. Beim Film ist die Wahl des Bildformats nicht allein durch die Kamera, sondern auch durch die Projektion eingeschränkt. Im Laufe der Filmgeschichte wurde immer wieder mit Filmformaten experimentiert. So haben sich die Film- und Videoformate immer wieder verändert. In den zwanziger Jahren etablierte sich das Normalformat. Dieses Bildformat mit einem Seitenverhältnis von 3 : 4, also 1 : 1,37, wurde schließlich auch durch die Academy of Motion Picture Arts and Sciences zum Standard erklärt. Es war jedoch nie das einzige gebrauchte Format. Schon die Einführung des Tonfilms, der auf dem Filmstreifen Platz für die Tonspur brauchte, reduzierte das Bildformat auf eine fast quadratische Abmessung. Diese wurde die Anfang der dreißiger Jahre wieder auf das Verhältnis von 1 : 1,37 gebracht wurde. Regisseure wie z. B. David W. Griffith arbeiteten schon früh daran, diese starren Normen zu durchbrechen. Griffith deckte bei bestimmten Einstellungen Teile des Bildes mit einem Kasch ab, und richtete damit die Aufmerksamkeit auf die verbleibenden Teile. In seinem Film BIRTH OF A NATION (1915) suggeriert er so, ohne in der Aufnahme den Kamerastandpunkt zu verändern, eine Großaufnahme. Der Blick des Zuschauers wird ganz auf ein Gesicht oder ein Detail gelenkt.  Normalformat: Höhe : Breite = 1 : 1,37 SONATINE, Regie, Buch, Montage TAKESHI KITANO, Japan 1993 · 35mm, Breitwand (1 : 1,85) · 94min. Anfang der fünfziger Jahre versuchte die Filmindustrie durch spektakuläre Breitwandformate der durch das Fernsehen aufkommenden Konkurrenz entgegen zu treten. Man entwickelte verschiedene Breitwandformate, die hauptsächlich durch Kaschieren eines Teils der Bildfläche erzeugt wurden. Ein Teil des Filmmaterials blieb somit unbelichtet. Neue Standardformate waren in Europa 1 : 1,66 und 1 : 1,85 in den USA.  Breitwand: Höhe : Breite = 1 : 1,66 ('Europäisches Breitwand’) SONATINE, Regie, Buch, Montage TAKESHI KITANO, Japan 1993 · 35mm, Breitwand (1 : 1,85) · 94min.  Breitwand: Höhe : Breite = 1:1,85 ('Amerikanisches Breitwand') SONATINE, Regie, Buch, Montage TAKESHI KITANO, Japan 1993 · 35mm, Breitwand (1:1,85) · 94min. Mit Cinemascope und Panavision wurden sogenannte anamorphotische Verfahren entwickelt. Bei diesen Verfahren wurde das Bildformat weitgehend ausgenutzt, das Filmgeschehen durch besondere Objektive aufgenommen, die das in seiner Breite aufgenommene Geschehen komprimierten. Durch ein entsprechendes Objektiv im Projektor wird die Komprimierung in der Projektion wieder entzerrt und auf diese Weise ein sehr breites Bild mit einem Seitenverhältnis von 1 : 2,35 erzeugt. Anamorphotisch heißen diese Verfahren nach einer in der Renaissance entwickelten Darstellungstechnik, bei der starke Verzerrung in der Zeichnung so angelegt waren, dass sie von einem genau bestimmten Standpunkt (schräg zur Bildfläche z. B.) normal und entzerrt wirkten, oder dass sie sich in einem gewölbten Spiegel als Normalbild spiegelten. Diese extremen Formate hatten natürlich nicht Auswirkungen auf die Bildgestaltung. Auch wenn es in den ersten Jahren der Scope-Ära so aussah, als sei der neue, erweiterte Bildraum nur dazu da, direkt wieder vollgestopft zu werden. Mit Staffage, Häusern, Bäumen, Sträuchern, die das Bild links und rechts enger kaschierten und fast wieder auf Normalformat zurechtstutzten. Doch bald gegangen Regisseuren wie Otto Preminger (FLUSS OHNE WIEDERKEHR, 1954) oder Henry Hathaway (PRINZ EISENHERZ, 1954) die innovativen Möglichkeiten des neuen Formats zu begreifen. Innerhalb dieser unterschiedlichen Bildformate ist auch die Wirkung des darin Gezeigten unterschiedlich. So führt die Dehnung des Formats zur Betonung von Panoramablicken und zu einer tendenziellen Monumentalisierung der Umräume. Die handelnden Figuren sind häufiger nur in Anschnitten, Groß- und Nahaufnahmen zu sehen. Der Zuschauer hat das Geschehen nicht mehr vollständig im Blick. Dieser wandert auf der Leinwand hin und her. Der Zuschauer erscheint aktiver. Dadurch entsteht der Eindruck größerer Nähe und stärkerer Einbeziehung des Zuschauers.  'Cinemascope' bzw. Panavision ®: Höhe : Breite = 1 : 2,35 SONATINE, Regie, Buch, Montage TAKESHI KITANO, Japan 1993 · 35mm, Breitwand (1 : 1,85) · 94min. Der Beginn des Cinemascopefilms DER LETZTE KAISER (1987) von Bernardo Bertolucci ist ein gutes Beispiel für die bewusste Anwendung dieses Formates. Der kindliche Kaiser wird gegen die Größe und der Pomp des Kaiserpalastes gesetzt. Inmitten der Größe wirkt er völlig verloren. Als er von seinem Thron herunterrutscht und zum Ausgang läuft, öffnet sich für ihn, und damit über die Kamera auch für den Zuschauer, der Blick für die zu seiner Inthronisierung aufmarschierten Menschen, die sich in dem breiten Format über das ganze Bild hin aufgestellt haben. In vielen Filmen werden Bildformate zusätzlich durch Kaschierungen und Masken verändert, z. B. in den Arbeiten von Jean-Luc Godard, François Truffaut und Alexander Kluge. Diese Kaschierungen verändern jedoch nur punktuell das Bildfeld. Für den Zuschauer bleibt das vorhandene Format weiterhin für seine Wahrnehmung des Films und des in ihm aufgebauten filmischen Raums bestimmend. Das Normalformat, also 4 : 3, wurde auch bestimmend für die Proportionen des elektronischen Bildes. In den letzten Jahren kam das Format 16 : 9 hinzu. In der Praxis kann man nicht davon ausgehen, dass das was die Kamera zeigt, auch so auf der Leinwand oder auf dem Monitor zu sehen sein wird. Mehr oder weniger größere Teile werden abgeschnitten. Professionelle Kameras und auch Programme für den digitalen Schnitt zeigen innerhalb des Bildes weitere Rechtecke: eines für den Aktionsbereich, und bei Schnittprogrammen ein weiteres, kleineres für den Titelbereich. Wichtige Aktionen sollten sich in diesem Bereich abspielen bzw. die Titel sollten dort stehen. Eine interessante und ausführliche Auseinandersetzung mit der Geschichte des Widescreen findet sich unter: www.soc.org |