Berufe beim Film - Szenenbildner / Filmarchitekt, Requisiteur, Kostümbildner, Maskenbildner
Szenenbildner / Filmarchitekt, Requisiteur, Kostümbildner, Maskenbildner

Szenenbildner und Filmarchitekten


I. Vorbemerkung

Der Begriff "Filmarchitekt" umfaßt die Berufsbezeichnungen: Filmarchitekt, Szenenbildner, Filmausstatter, Bühnenbildner oder Art Director oder Production Designer, nachfolgend Filmarchitekt genannt.

II. Aufgabenbereich

Der Aufgabenbereich des Filmarchitekten umfaßt die künstlerisch-eigenschöpferische Gestaltung und technisch-organisatorische Planung und Realisation der szenischen Ausstattung von Spielfilm-, Fernseh- und Videoproduktioen sowie Industrie- und Werbefilmen, in der er eigenverantwortlich seine Ideen und Entwürfe einbringt.

II. Tätigkeits- und Verantwortungsbereich

Produktionsphase I
1. Einarbeiten in das Drehbuch; Anfertigen von Auszügen
2. Vorbesprechung mit Regie und anderen künstlerischen Mitarbeitern über die dramaturgische und stilistische Konzeption
3. Vorgespräche mit der Produktion über den zeitlichen Ablauf, die Drehorte und das Budget
4. Quellenstudium, Recherchen, Sammlung von Arbeitsvorlagen
5. Eigenschöpferische Tätigkeiten:
 - Anfertigung von Entwürfen, Modellen, Skizzen, Grundrissen u.ä.
 - Anfertigung von technischen Werkstattzeichnungen
 - Motivsuche nach künstlerischen Aspekten
 - Festlegung der Schauplätze
 - Spezialaufgaben wie Tricktechnik u.ä.
6. Organisationsplanung:
 - Mitbestimmung beim Drehplan
 - Erstellung der Kalkulation und deren Einbringung in den Gesamtetat
7. Zusammenstellung des Mitarbeiterteams (künstlerische und technische Bereiche)
8. Präsentation der künstlerischen Vorbereitung an Regie, Kamera und Produktion

Produktionsphase II
Realisation:
 - Überwachung der Bautätigkeit der beauftragten Firmen
 - Zusammenstellung der Einrichtung (Requisiten, Möbel etc.)
 - Aufbau der Dekoration
 - Farbliche Gestaltung
 - Einrichtung der Dekorationen
 - Abnahme der fertigen Dekorationen in Verbindung mit Regie, Kamera und Kostüm

Produktionsphase III
1. Mitgestaltung der dramaturgisch erforderlichen ästhetischen und emotionalen Atmosphäre
2. Situationsbedingte künstlerische Änderungen vornehmen
3. Parallel zur Tagesdisposition Vorbauten, Umbauten und Rückbauten vornehmen lassen
4. Kostenstände erarbeiten
5. Teilnahme an Mustervorführungen

Produktionsphase IV
1. Abwicklungen und Rücklieferungen überwachen
2. Auflösung des Mitarbeiterteams
3. Etat abrechnen

Was muss ein/e Filmarchitekt/in mitbringen?
•     schöpferische Phantasie, dramaturgisches Denken, malerisches und zeichnerisches Talent, Farben- und Formensinn, Raumgefühl
•     gute Allgemeinbildung, umfassendes Wissen auf dem Gebiet der Kunst- und Kulturgeschichte, der Stil- und Milieukunde
•     handwerkliche Fachkenntnisse Materialkunde, Technisches Zeichnen
•     organisatorisches Talent, kaufmännische Fähigkeiten, Improvisationsvermögen, Flexibilität
•     Kenntnisse der verschiedenen audio-visuellen Techniken
•     Fähigkeit zur Motivation und Menschenkenntnis
•     und nicht zuletzt eine Menge Enthusiasmus!

Quelle: Verband der Szenenbildner, Filmarchitekten und Kostümbildner – SFK

Weitere Informationen:
www.sfk-verband.de
 



Requisiteur

Tätigkeits- und Verantwortungsbereich

Der Requisiteur muss die alltäglichsten und die unmöglichsten Requisiten beschaffen, die einer Produktion ihre Authentizität oder Originalität verleihen. Mit dem Regisseur und dem Filmarchitekten wird vor jeder Produktion anhand des Drehbuchs oder Sendeablaufs eine umfangreiche Requisitenliste mit Gegenständen erstellt, die der Requisiteur organisieren muss.
Nicht alle Requisiten sind nicht immer einfach zu beschaffen. Oft sind es sehr ausgefallene Gegenstände, die der Requisiteur mit viel Phantasie, Organisationstalent und auch Improvisationsgeschick organisieren muss. Bei großen Film- und Fernsehproduktionen unterscheidet man noch zwischen Außen- und Innenrequisiteur. Der Innenrequisiteur ist ständig während der Drehzeit am Set.

Allgemeine Vorraussetzungen

- handwerkliche Interessen und Fähigkeiten
- Führerschein Klasse 3
- Imaginations- und Improvisationstalent
- Flexibilität, schnelle Auffassungsgabe und organisatorische Fähigkeiten
- vorausschauendes Mitdenken in komplexen Bereichen
- gute Menschenkenntnis und Sensibilität im Umgang mit verschiedensten Persönlichkeiten
- Fähigkeit im Team zu arbeiten und Konflikte kollegial zu lösen
- hohe Belastbarkeit und Fähigkeit mit Stresssituationen umzugehen
- solide Allgemeinbildung
- Grundkenntnisse in den verschiedensten Sachgebieten (Architektur, Inneneinrichtung, Werkstoffkunde, Kunst- und Kulturgeschichte)
- stilistisches Einfühlungsvermögen für gesellschaftliche Gruppierungen der verschiedenen Epochen

Weitere Informationen:
www.sfk-verband.de

www.vdr-nrw.de/vdrfla.html




Kostümbildner


Die Arbeit des Kostümbildners umfasst die gestalterische und eigenverantwortliche Konzeption der Kostüme sowie deren technische und organisatorische Ausführung. Er ist für den gesamten Bekleidungsbereich einer Filmproduktion verantwortlich.

Tätigkeits- und Verantwortungsbereich

Produktionsphase I - Entwicklung
1. Einarbeiten in das Drehbuch, Anfertigen von Auszügen, Sammlung erster künstlerischer Vorschläge
2. Vorgespräche mir Regie und den anderen künstlerischen Mitarbeitern über Funktion der Kostüme, dramaturgische, stilistische und farbliche Konzeption und die Besetzung der Rollen
3. Vorgespräche mit der Produktion über Disposition und Budget
4. Vorlagen recherchieren, Bildmaterial zusammentragen, Milieu und Sekundärliteratur studieren
5. Anfertigung von Skizzen und entwürfen, Kostümfunde sichten, schnitt-technische Zeichnungen erstellen, Stoffe und sonstige Materialien bestimmen zur Realisation der Entwürfe, Typ und Körperbeschaffenheit der Schauspieler erkennen, dramaturgisch überprüfen, Maße der Schauspieler nehmen
6. Kostenvoranschläge einholen, Kalkulation erstellen, Kostümetat festlegen
7. In Absprache mit der Produktion einen Organisationsplan erstellen, Mitarbeiterteam und seine Kompetenzen bestimmen (Assistenten, Garderobiers, Schneider, Hutmacher, Aushilfen usw.), Werkstätten, Kostümdepot, Garderobenräume, Fahrzeug für Kostümtransport müssen angemietet werden

Produktionsphase II - Realisation
1. Verwirklichung und Umsetzung der Ideen und Entwürfe, Anproben mit Schauspielern und Komparsen organisieren und überwachen, Fertigung überwachen
2. Kostümabnahmen mit dem Regisseur, dem Kameramann und den Schauspielern in der Dekoration
3. Dramaturgisch bedingte Kostümanschlüsse und Tageseinteilung festlegen

Produktionsphase III - Drehzeit
1. Mitgestaltung der dramaturgisch erforderlichen ästhetischen und emotionalen Atmosphäre am Drehort
2. Einbringung situationsbedingter künstlerischer Änderungen
3. Weiterführung der Vorbereitungsarbeiten parallel zu Tagesdisposition
4. Erstellung von Kostenständen

Produktionsphase IV – Abwicklung
1. In Absprache mit der Produktion Mitarbeiterteam und Arbeitsräume auflösen
2. Rücklieferung der Kostüme
3. Abrechnung der verwalteten Etats

Quelle: Verband der Szenenbildner, Filmarchitekten und Kostümbildner – SFK

Weitere Informationen:
www.sfk-verband.de

www.focal.ch



Maskenbildner

Voraussetzungen

1. Sinn und Gefühl für Form- und Farbgestaltung, Farbempfinden, künstlerische und schöpferische Phantasie
2. Dramaturgisches Denken
3. Anatomische Grundkenntnisse
4. Genaue Kenntnisse der Kunst- und Kulturgeschichte (historische Make-up- und Frisurgestaltung), der Zeitepochen, der Stillehre sowie umfassendes Wissen über Mode(-erscheinungen) der vergangenen Jahrzehnte, sowie der aktuellen Trends
5. Handwerkliche Fach- und Materialkenntnisse zur Verarbeitung berufsspezifischer Werkstoffe und Materialien, bis hin zu industriellen Kunststoffen
6. Kaufmännische und buchhalterische Kenntnisse
7. Einfühlungsvermögen im Umgang mit den Schauspielern und Darstellern, Geduld, Ausdauer, Belastbarkeit, Flexibilität und Improvisationsvermögen, sowie umfangreiches, solides Allgemeinwissen und gesellschaftswissenschaftliche Kenntnisse
8. Grundkenntnisse über die verschiedenen Filmmaterialien und die unterschiedlichen Aufnahmetechniken und Lichtsituationen, Lichtquellen, Beleuchtungsmöglichkeiten

Tätigkeiten

1. Lesen und Bearbeiten des Drehbuches, sowie Erstellen der Auszüge nach Drehplan
2. Recherchieren von historischen und aktuellen Vorlagen
 (Haartrachten, Verletzungen, Unfällen und deren Folgen, Krankheits- und Genesungsverläufen)
3. Erstellen eines maskenbildnerischen Konzepts (Make-up- und Farbkonzept) in Rücksprache mit dem Regisseur
a) Aufzeigen der technischen, gestalterischen Möglichkeiten
b) Vorschläge zur Umsetzung des Regiekonzeptes
4. Planung und Kalkulation nach vorliegender Besetzungsliste und Drehplan sowie Ermittlung des Arbeitsaufwandes
5. Realisierbarkeit von maskenbildnerischen Konzepten im Gespräch mit den Darstellern klären
6. Evtl. Anfertigung von Gipsabdrücken und Herstellung von Perücken, Bärten, Glatzen, Narben, Wunden, Zahnersatz, sowie Gesichtsplastiken aus Schaumgummi zur Veränderung, Alterung und Karikierung eines Darstellers
7. Materialdisposition und Einkauf von Schmink- und Maskenmaterial
8. Treffen der Schauspieler zur Anprobe von Perücken, Durchführung von Make-up Tests und Vorbesprechungen mit dem/der Regisseur/in und dem/der Kostümbildner/in
9. Umsetzung des maskenbildnerischen Konzepts am Darsteller
10. Betreuen der Darsteller im Drehverlauf:
a) Einlegen und Frisieren von Eigenhaar, Aufsetzen von Perücken, Ankleben von Bärten, Aufkleben von Schaumteilen, Schminken von wunden und Narben, sowie Einsetzen von falschen Zähnen
b) physische und psychische Betreuung (z.B. Hautpflege)
11. Pflege, Reinigung und Wartung der Arbeitsmittel(z.B. Perücken, Werkzeuge und Arbeitsgeräte)
12. Abwicklung einer Produktion:
a) Reinigung und Rücklieferung von ausgeliehenen Perücken, Haarteilen und Arbeitsgeräten
b) Reinigen und Ordnen der Arbeitsgeräte
c) Aussortieren von benutztem Schminkmaterial zur Reduzierung der Infektionsgefahr
13. Erstellen einer Rechnung nach Ermittlung des Materialverbrauchs

Praktische Arbeiten in der Werkstatt
Zu den Aufgaben im Werkstattbereich bei der Vorbereitung einer Produktion gehört:
1. Knüpfen und Tressieren von Haaren zum Herstellen von Perücken, Haarteilen, Zöpfen, Toupets und Bärten für die Schauspieler nach Maß oder Abdruck
2. Entwerfen, skizzieren und modellieren von Phantasie- und Märchenfiguren
3. Abdruck nehmen von Kopf und Körper:
 - zum Modellieren von Gesichtsveränderungen, Alterungen, sowie Phantasiefiguren
 - Formenbau aus Gips, Silikon und Polyesterharz - Herstellung von Schaumgummiteilen, sowie Dummy-Köpfen und -Körperteilen aus verschiedenen Silikonen und Kunststoffen
4. Herstellen von Kunststoff- und Schaumgummiglatzen, Kleben von Kunststoffperücken aus verschiedenen Materialien und bemalen derselben
5. Herstellen von Masken aus verschiedenen Materialien, wie Leder, Textilien, Holz, Papier, usw.
6. Herstellen von falschen Zähnen und Zahnspangen
7. Herstellen von Spezialeffekten (Verletzungen, Verwachsungen, Narben, Einschüssen, usw.) evtl. in Zusammenarbeit mit einem Pyrotechniker

Quelle: Maskenbildnervereinigung München e. V.

Weitere Informationen:
www.maskenbildner.org

 
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