Der Ton erobert den Film Anfang der 20er Jahre kommen die großen amerikanischen
Filmkomiker auf die Leinwand: Charlie Chaplin, Buster Keaton, Harold
Lloyd und Stan Laurel & Oliver Hardy.

Das Kabinett des Dr. Caligari, 1920 – Regie: Robert Wiene
1920
setzt die expressionistische Ästhetik in Das Kabinett des Dr. Caligari
von Robert Wiene setzt Maßstäbe: Der Film lebt nicht nur durch seine
phantastische Handlung und die Schauspieler, sondern vor allem durch
die Ausstattung. Die expressionistischen Maler Hermann Warm, Walter
Reimann und Walter Röhrig sind für die ausschließlich gemalte
Dekoration verantwortlich. Sie arbeiten mit verzerrter Perspektive,
spitzen Winkeln und harten Schatten.
Mit Nosferatu – eine Symphonie des Grauens (1922) begründet Friedrich W. Murnau das Genre des Vampirfilms.
Robert J. Flatherty dreht mit Nanook of the North (Nanuk der Eskimo) (1922) den ersten Dokumentarfilm in Spielfilmlänge.

Nanook of the North, 1922 – Regie: Robert J. Flatherty
In The Toll of the Sea von Chester M. Franklin (1922)
wird das frühe Technicolorverfahren (es handelt sich um den zweiten
Film überhaupt, der so gedreht wurde) angewendet: Die unwirkliche
Film-Welt strahlt in zauberhaftem Rot-Grün.
Der russische Regisseur Sergej Eisenstein dreht die Klassiker Streik (1924) und Panzerkreuzer Potemkin (1925). Er wird durch seine Montagetheorie/Montagetechniken zu einem der einflussreichsten Filmschaffenden aller Zeiten.
Don Juan (1926) kommt als erster Tonfilm in die Kinos, allerdings beinhaltet der Ton nur Musik und Geräusche.
Der britische Dokumentarfilmer John Grierson benutzt erstmals in einer
Rezension den Begriff des „Dokumentarfilms“ („documentary“) (1926).
Der Ton erobert den Film: Mit dem von den Warner Bros. produzierten Film The Jazz Singer beginnt am 6. Oktober 1927
das Zeitalter des Tonfilms. Innerhalb von fünf Jahren wandeln sich die
festen Produktionsstrukturen von Grund auf. Der einschlagende Erfolg
des Tonfilms hat weitreichende Konsequenzen für die gesamte Film- und
Kinobranche: Die Studios müssen teure Tonaufnahmegeräte anschaffen und
die Kinos umgerüstet werden. Die künstlerischen Einschränkungen sind
zunächst enorm: So sind die Schauspieler gezwungen immer in Richtung
des Mikrophons zu agieren – schlimmstenfalls mit dem Gesicht ständig zu
einem Blumentopf usw. Lange Zeit muss auf Außenaufnahmen, verzichtet
werden, weil die Umweltgeräusche zu störend waren. Für viele
Schauspieler ist die Karriere beendet, weil ihre Stimmen sich nicht für
die Aufnahmegeräte eignen. Andere ausländische Hollywood-Stars
scheitern an der Sprachbarriere. So können Emil Jannings und Pola Negri
in den USA nicht mehr arbeiten, weil ihr Englisch zu schlecht ist.
Fritz Langs Metropolis (1927)
erscheint. Der Film gilt als der erste deutsche Science-Fiction-Film
und übt eindeutige Sozialkritik. Die Aufnahmen von Menschenmassen und
vor allem die riesigen Maschinen sind eindrucksvoll. Der aufwendige und
horrend teure Film ist aber kein Publikumserfolg Erfolg und stürzt die
Ufa in eine ernste Finanzkrise.

Berlin – Die Sinfonie einer Großstadt, 1927 – Regie: Walter Ruttmann
1927 Walter Ruttmanns erster abendfüllender Spielfilm Berlin – Die Sinfonie einer Großstadt, dokumentiert 24 Stunden aus dem Alltag Berlins. Die
Kameraleute müssen bei den Dreharbeiten mit besonders empfindlichem
Filmmaterial arbeiten, weil ohne Licht und teilweise mit versteckter
Kamera gedreht wird. Unterlegt mit der von Edmund Meisel eigens
komponierten Musik montiert Ruttmann rhythmische, geradezu rauschhafte
Bildsequenzen zu einem Porträt Berlins als moderne, pulsierende
Großstadt.
1927 Auf Initiative von MGM-Boss Louis B.
Mayer wird eine Interessenvertretung aller Filmschaffenden gegründet,
nicht zuletzt aufgrund der steigenden Konkurrenz zu den Radiosendungen:
The Academy of Motion Picture Arts. Da sie zudem die Leistungen der
eigenen Branche bewertet, eröffnet dies zugleich die Möglichkeit, die
Gewerkschaften ein wenig im Zaum zu halten. Und so wurde am 16. Mai
1929 in einer glanzvollen Gala der erste Oscar verliehen, der damals
allerdings noch Awards of Merits hieß. Prämiert wurde der Film Wings
von William A. Wellman.
24 fps (Frames per Second) werden zum Standard der Filmindustrie (1927).
Un Chien Andalou (Ein andalusischer Hund), 1928 – Regie: Luis Buñuel, Salvador Dalí
1928 geht ein Aufschrei der Entrüstung durch die Kinowelt: Nie zuvor hat es
Bilder von derartiger Grausamkeit auf der Kinoleinwand gegeben wie in
Luis Buñuels Film Un Chien Andalou (Ein andalusischer Hund). Der
20-Minuten-Film reiht nach Art freier Assoziation ein Bild an das
nächste. In der bekanntesten Szene wird durch einen geschickten
Zwischenschnitt der Eindruck erweckt, dass das Auge einer Frau
zerschnitten wird.
Walt Disney stellt mit Steamboat Willie den ersten Film mit Mickey Maus vor (1928).
Paramount verkündet 1929 als erstes Studio nur noch Tonfilme zu produzieren.
In seinem Dokumentarfilm Der Mann mit der Kamera (1929)
verbindet Dziga Vertov Filmtheorie und Filmkunst. Er setzt seine
Theorie vom „Kamera-Auge“ beispielhaft in die Tat um: Der Held des
Films ist kein Mensch, sondern die Kamera selbst. Sie rast auf Autos
durch die Stadt, klettert auf Schornsteine, hängt an der Außenseite von
fahrenden Zügen. Montiert werden diese Sequenzen mit Szenen aus Labor
und Schneideraum.

Der Mann mit der Kamera, 1929 – Regie: Dziga Vertov
1929 erscheint mit Alfred Hitchcocks Erpressung der erste britische Tonfilm.
Die amerikanische Filmindustrie produziert in den 20er und 30er Jahren durchschnittlich 800 Filme im Jahr, heute sind es nur ca. 500 Filme/Jahr.
Bedeutende Regisseure:
Fritz Lang 1890–1976 (www.german.imdb.com)
Georg Wilhelm Pabst 1887–1967 (www.german.imdb.com)
Sergeij M. Eisenstein 1898–1948 (www.german.imdb.com)
Vsevolod Pudovkin 1893–1953 (www.german.imdb.com)
Dziga Vertov 1896–1954 (www.german.imdb.com)
Lev Kuleshov 1899–1970 (www.german.imdb.com)
Charles Chaplin, Autor, Schauspieler, Regisseur 1889–1977 (www.german.imdb.com)
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