Filmmontage
Die wichtigsten Montageformen Erzählende Montage Die erzählende Montage verknüpft die Handlungen kontinuierlich miteinander. Als Stilmittel wird hier manchmal das Auslassen von Vorgängen, die der Betrachter dann mit eigenen Erfahrungen ergänzen muss, eingesetzt. Dadurch wird die Filmzeit gegenüber der Realzeit verkürzt. Parallelmontage In der Parallelmontage werden zwei oder mehr Handlungsebenen alternierend miteinander montiert, so dass sie vom Publikum in Verbindung gebracht werden. Sie wird häufig zur Erzeugung von Spannung eingesetzt. Dabei laufen die verschiedenen Erzählstränge aufeinander zu, um sich dann in einem gemeinsamen Spannungshöhepunkt zu entladen. So wird zum Beispiel in Spielbergs JURASSIC PARC (1993) in vier Minuten zwischen drei Handlungssträngen siebenundzwanzig Mal hin- und hergeschnitten. Ellie will die Sicherheit im Park wiederherstellen und gefährdet dadurch Dr. Grant und die Kinder. Diese planen über den Elektrozaun zu klettern. Ellie will ihn bald wieder unter Strom setzen wird. Durch die Parallelmontage weiß das Publikum mehr als beide Seiten. Dadurch entsteht eine spezielle Form der Spannung, der Suspense. Dieser Begriff geht auf Hitchcock zurück und meint die Spannungserzeugung, die dadurch entsteht, dass das Publikum über mehr Informationen verfügt als der Protagonist, der diese aber dringend bräuchte. Für den Wechsel der Einstellungsgrößen wird hier ein konventionelles Muster verwendet: Mit zunehmender Dramatik wird der Bildraum immer enger. Schließlich sehen wir nur noch Groß- und Detailaufnahmen von den angespannten Gesichtern und den zahlreichen Schaltern, die Ellie nach und nach umlegt. Assoziationsmontage Auf die russischen Avantgardisten zurückgehendes Schnittprinzip. Die Erkenntnis des Regisseurs Lew Kuleschow, dass ein Bild A und ein Bild B in der direkten Konfrontation zu einer neuen Assoziation C führt, ist die Grundlage für diese Montageform. Metaphorische Montage Die metaphorische Montage stützt sich auf die Symbolkraft der Bilder-Kombination. Durch die symbolische Gegenüberstellung von Bildern soll eine Erkenntnis beim Zuschauer hervorgerufen werden, die Montage-Technik soll Formulierungshilfe für übertragene Sinnzusammenhänge sein. Als erster Filmschaffender dürfte D.W. Griffith die metaphorische Montage angewandt haben (WAY DOWN EAST, 1920). Carl Theodor Dreyer setzte die metaphorsche Montage besonders eindrucksvoll ein. In seinem Stummfilm LA PASSION DE JEANNE D'ARC (1928) verlieh er einem gewohnten Naturbild eindrucksvolle Symbolkraft. Während Jeanne auf dem Scheiterhaufen in den Flammen stirbt, flattern Tauben über dem Marktplatz zu Rouen steil hinauf; im Symbol der Taube steigt ihre Seele zum Himmel. Rhythmische Montage Schnitte tragen zum Rhythmus der Montage bei. Ruhe wird durch wenige Schnitte, Zeitlupe von Bewegungen oder Schnitte in Dialogpausen erzeugt. Tempo erzeugt man in dem man schnelle, kurze, viele Schnitte hintereinander reiht, Teile von Bewegungen andeutet, Schnitte während der Worte, keine Dialogpausen und sich steigerndes Tempo einsetzt. Intellektuelle Montage Bei der intellektuellen Montage werden einzelne Einstellungen, die alleine für sich keine Aussage beinhalten, aneinander geschnitten. Im fertigen Film erhalten sie dadurch eine Bedeutung, die durch Nachdenken und Verstehen erfasst werden. Beispiele für die intellektuelle Montage finden sich in den Filmen von Sergej Eisenstein, der auch als deren Begründer gilt. Eisenstein zu einigen als intellektuelle Montage einzuordnenden Sequenzen aus OKTOBER (1927/1928): „Der Konflikt zwischen dem Humbug der steigenden Ränge und dem Treppensteigen des .Helden' - es ist immer die gleiche, unveränderte Treppenflucht - ergibt hier ein intellektuelles Resultat: Karenskis wesenhafte Nichtigkeit wird satirisch gezeigt. Wir haben den Kontrapunkt eines wörtlich ausgedrückten konventionellen Gedankens mit der abgebildeten Handlung einer einzelnen Person, die ihren schnell wachsenden Aufgaben nicht entspricht. Das Nichtübereinstimmen dieser beiden Faktoren ergibt ein rein intellektuelles Urteil ... auf Kosten dieser Person." Ach in den Filmen der Nouvelle Vague finden sich viele Beispiele für die Anwendung der intellektuellen Montage. Alain Resnais wendete in L'ANNEE DERNIERE À MARIENBAD (1961) diese Montageform an. Ebenso DEUTSCHLAND NEU(N) NULL (1991) von Jean-Luc Godard. Hier werden Assoziationsketten gebildet, die man eigentlich nur verstehen kann, wenn man über die deutsche Geschichte informiert ist. Montage der Aktion Bei dieser Form der Montage schaffen nicht einzelne Elemente eine Form, die den Sinn artikulieren, sondern ihre Verknüpfung. Ihre Verbindung kann durch Handlung motiviert sein, aber auch durch thematische und assoziative Kopplung. Die Aktionsmontage basiert auf dem Wechselprinzip von Reiz und Reaktion. Hitchcock verwendete in seinem Film PSYCHO (1960) in der berühmten Duschszene diese Montageform. Der Regisseur lässt den Mord nicht ausspielen, er zeigt nur Details. In den Köpfen der Zuschauer werden die Bilder zu einer zusammenhängenden Szenerie assoziiert, und so entsteht der Schockeffekt. Montage als Kollision Durch Montage kann Filmmaterial in einen kontinuierlichen Zusammenhang gebracht werden oder durch Brüche und Kontraste können Bedeutungen hervorgerufen werden: An Kontinuität orientiert, kann man das Ineinandergreifen der einzelnen Einstellungen mit den Gliedern einer Kette vergleichen. Das Material ordnet sich der Erzählung unter. Die Bilder der Folge sind wie Frage-Antwort-Ketten zu denken - das erste Bild wirft eine Frage auf, die vom zweiten beantwortet und in eine zweite Frage übergeleitet wird. Anders im Montagekonzept der Kollision der einzelnen Einstellungen bei Eisenstein: Hier stehen verschiedene Einstellungen dynamisch neben und gegen einander. Damit soll die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf sich selbst gelenkt werden und ihn dazu anregen, bewusste Schlussfolgerungen zu ziehen. Der Aufbau von Konflikten und Kontrasten wird in ein dialektisches Verhältnis der einzelnen Einstellungen umgesetzt. |
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