Die goldenen Jahre Hollywoods Zu Beginn der dreißiger Jahre, als bereits fast ausschließlich Tonfilme aus den USA importiert werden,
sträuben sich die meisten deutschen Filmkonzerne gegen die teure und umständliche Produktion von Tonfilmen. Doch lange ist diese Position
nicht zu halten. In den Jahren 1930 bis 1933, erlebt der deutsche Film eine kurze Blüte, in der bemerkenswerte, sozialkritische
Filme namhafter Regisseure und Autoren entstehen.
Zur gleichen Zeit erreicht die Filmproduktion Platz drei unter den umsatzstärksten Branchen Amerikas. Kapitalgeber sind Yorker Banken, die
bereits in den zwanziger Jahren die Aktienmehrheit an allen großen Studios erworben hatten. Bei ihnen liegt die Entscheidungsgewalt, auch
in künstlerischen Fragen. Produktionsabläufe werden so gestaltet, dass eine ständige Kontrolle über das Projekt gesichert ist.
1930 gründet die NSDAP eine eigene Filmabteilung.
Im gleichen Jahr formuliert Will H. Hays, Leiter der Motion Pictures Producers and Distributors of America (MPPA), den Motion Picture
Production Code, auch Hays Code genannt. Die von der Filmindustrie ins Leben gerufene Zensurbehörde, einstiges Instrument zur Bewahrung der
Ausdrucksfreiheit wird nun durch überaus eng formulierte Restriktionen zu einem lenkendem Apparat.
Motion Picture Production Code (Download – Word Dokument, ca. 88 KB)
1931 – zwei Jahre nach dem Börsencrash vom Oktober 1929 – zieht es auch die Filmindustrie in den Strudel der Wirtschaftskrise. Groteske Komödien
und Musicals, die eine Traumwelt zeigen (Fred Astaire und Ginger Rogers werden zum Traumpaar dieses Genres) und der Gangsterfilm, der ein
Ausdruck der bedrückenden Realität und Resignation ist – z. B. Little Caesar (1931) oder Scarface (1932) – werden zu den erfolgreichsten
Genres.

Scarface, 1932 – Regie: Howard Hawks, Richard Rosson
Mit Der Blaue Engel (1930) beginnt die Karriere von Marlene Dietrich
Ab 1930 werden in den USA die ersten Filme für den ausländischen Markt synchronisiert.
M – Eine Stadt sucht einen Mörder (1931) gilt als einer der ersten Thriller der Filmgeschichte. Darüber hinaus
ist dies der erste Tonfilm, der die neuen Möglichkeiten des Tonfilms virtuos nutzt: Er verzahnt korrespondierende Szenen durch die
geschickte Überführung des Tons von einer zur nächsten und stellt eine Melodie ohne bildliche Entsprechung ins Zentrum der Geschichte.
Klassiker des Horror-Genres entstehen: Dracula mit Bela Lugosi, Frankenstein mit Boris Karloff (beide 1931) und King Kong (1933) mit Fay Wray .

King Kong und die weiße Frau, 1933 – Regie: Merian C. Cooper und Ernest B. Schoedsack
Sechs Tage nach Gründung des Ministeriums für Propaganda und Volksaufklärung unter Joseph Goebbels wird diesem am 17. März 1933
eine eigene Filmabteilung unterstellt. Künftig werden von der neu gegründeten Filmkreditbank GmbH nur noch solche Filme finanziert, die
als „würdig“ angesehen werden und an denen ausschließlich Filmschaffende nachweislich „arischer“
Herkunft arbeiten. Jüdischen Menschen wird somit die Möglichkeit genommen, an deutschen Filmen mitzuwirken. Mit der Machtergreifung
Hitlers verlassen etliche Filmschaffende das Land, darunter Billy Wilder, Fritz Lang, Erich Pommer, Max Ophüls, Robert Siodmak, Douglas
Sirk, Peter Lorre, Asta Nielsen und viele weitere.
Antrag auf Verbot regimefeindlicher Filme – 13. März 1933
( Download – pdf-Datei, ca. 120 KB), Quelle: Deutsches Filminstitut
1935 erscheint Becky Sharp, Regie: Rouben Mamoulian, der erste abendfüllende Spielfilm in Technicolor
Leni Riefenstahl produziert 1935 und 1938 Propagandafilme für die Nationalsozialisten: Triumph des Willens und Olympia – Teil 1 & 2.
1937
bringt Disney mit Schneewittchen und die sieben Zwerge seinen ersten großen Zeichentrickfilm heraus – zugleich der erste abendfüllende
Farbzeichentrickfilm überhaupt.
Auf der Weltausstellung 1939 in New York wird der Öffentlichkeit das Fernsehen präsentiert.
Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 werden die TOBIS
WOCHENSCHAU, DEULIG, die DEUTSCHE WOCHENSCHAU und die
UFA WOCHENSCHAU zu einer DEUTSCHEN WOCHENSCHAU zusammengefasst und in
den Dienst der Propaganda für die Nationalsozialistische Partei
gestellt. Das Nachrichtenmaterial aus dem Krieg wird für Kurzfilmen und
Filme über den Krieg verwendet. Auch in anderen Länern arbeiten viele
Regisseure auf diese Weise. Frank Capra leitet die Herstellung der
amerikanischen Serie von Nachrichtenfilmen Why We Fight (1942–1945). Sehr viele Kameraleute aller Nationen bezahlen ihre Arbeit mit dem Leben.

Vom Winde verweht , 1939 – Regie: Raoul Walsh
1940 bekommt Vom Winde verweht mehrere Oscars für Regie, Drehbuch, Kamera, Farbdramaturgie, Hauptdarstellerin, Ausstattung, und Schnitt. Der Oscar
für die beste Nebendarstellerin ging an Hattie McDaniel, die erste afroamerikanische Schauspielerin, die einen Oscar erhielt (für ihre Rolle
als treu ergebene Sklavin). Das amerikanische Filminstitut kürt Vom Winde verweht 1977 zum besten Film aller Zeiten.
Bedeutende Personen:
Frank Capra, Fotograf, Regisseur 1897–1991 (www.german.imdb.com)
Charles Chaplin, Autor, Schauspieler, Regisseur 1889–1977 (www.german.imdb.com)
Walt Disney, Produzent, 1901–1966 (www.german.imdb.com)
John Ford, Regisseur, 1894–1973 (www.german.imdb.com)
Howard Hawks, Regisseur, 1896–1977 (www.german.imdb.com)
Alfred Hitchcock, Regisseur, 1899–1980 (www.german.imdb.com)
René Clair, Regisseur, 1898–1981 (www.german.imdb.com)
Jean Renoir, Regisseur, 1894–1979 (www.german.imdb.com)
Sergeij M. Eisenstein 1898–1948 (www.german.imdb.com)
Vsevolod Pudovkin 1893–1953 (www.german.imdb.com)
Dziga Vertov 1896–1954 (www.german.imdb.com)
Lev Kuleshov 1899–1970 (www.german.imdb.com)
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