Drehbuch
Mythologisches Erzählen – Die Odyssee des Drehbuchschreibers

Christopher Vogler, Hollywood Dramaturg, Autor und Dozent , führte von 1982 bis 1994 für Walt Disney, Touchstone dramturgische Analysen durch und wurde u. a. bei den Produktionen von ALADDIN, THE BEAUTY AND THE BEAST, THE LION KING als Spezialist für Mythen und Märchen herangezogen.

In seinem Buch „The Writers Journey, Mythic Structure for Storytellers and Screenwriter“ (1994) beschreibt er, dass fast allen großen Publikumserfolgen eine archetypische (Erzähl)Struktur zugrunde liegt, die seit Anfang der Welt die Mythen und Märchen der Völker bestimmt: die Heldenreise. Hieraus folgert Vogler: Wenn wir alle immer wieder eine Geschichte in immer neuen Varianten erleben wollen, dann liegt das daran, dass wir in ihr Archetypen wieder finden, an denen wir alle teilhaben: der mutige Held, der weise Mentor, der grimmige Hüter der Schwelle, der selbstlose Sendbote, das Wesen, das ständig seine Gestalt verändert, der gewiefte Trickster etc.

Nach Voglers Meinung wird in der Neuen Welt wieder entdeckt, was ursprünglich ein Wissen der Alten Welt war: dass Geschichten Nahrung für die Seele sind, aber längst nicht alles, was man nacherzählen kann, Geschichten sind.

„Schreiben Sie archetypisch, nicht stereotyp. Nehmen Sie uns mit auf die Reise in eine Welt, nach der wir uns sehnen! Befinden wir uns erst einmal mit Ihnen in dieser fremden, vertrauten Welt, entdecken wir uns selbst und unser Menschsein darin!“
Robert McKee, Autor

Der Mythos bildet den Rohstoff, den die Werkzeuge der Dramaturgie zu dramatischen Stoffen bearbeiten.

Vogler betont, dass es sich bei seinen Gedanken nicht um eine Anleitung zum Drehbuchschreiben handelt, sondern, dass auf eine universelle Weise die Entwicklungsstadien eines Protagonisten dem Zuschauer oder dem Leser nahe gebracht werden sollen. In seinen Überlegungen bezieht er sich auf den Psychologen Carl Gustav Jung (Archetypen) und den Ethnologen Joseph A. Campbell (Universalität der Erzählstrukturen).

Voglers Definition von Drama:
 „Alle Geschichten bestehen im Grunde aus einer Handvoll stets wiederkehrender Bauelemente, die uns auch in Mythen, Märchen, Träumen und Filmen immer wieder begegnen. Der Oberbegriff für all diese Bauelemente lautet: die Reise des Helden.“

Voglers Definition einer Geschichte:
„Eine Geschichte ist ein Spiegel, in dem man sich (der Zuschauer sich) wieder findet. Dies wird vor allem durch Metaphern erreicht. Die Metapher soll dem Zuschauer Gelegenheit geben, sein eigenes Leben mit dem vorgestellten zu vergleichen. ... Die Reise des Helden ist im Grunde die Bewegung (welche auch sehr klein sein kann) von einem Geisteszustand, von einer Art zu handeln in einen anderen Zustand. Diese Bewegung kann auch am Ende einer Geschichte zurückgenommen werden.“

Literatur:

Vogler, Christoph, Die Odyssee des Drehbuchschreibers, Über die mythologischen Grundmuster des amerikanischen Erfolgskinos, Frankfurt/Main 1997

Campbell, Joseph A., Der Heros in tausend Gestalten, Frankfurt/Main 1999

 
 
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