Filmmontage
Arbeit an Bildübergängen

Beim Feinschnitt wird an den Bildübergängen gearbeitet.

Der unsichtbare Schnitt lässt Bilder visuell, trotz Schnittstellen, verschmelzen. Der Zuschauer nimmt diese bewusst nicht war. Weiche Schnitte führen den Zuschauer irritationslos über Schnittstellen hinweg. Man bemerkt sie zwar, aber sie sind nicht auffällig oder gar störend. Sie lenken die Aufmerksamkeit nicht von der Handlung ab.

Der harte Schnitt dagegen trennt gewollt zwei Bildfolgen voneinander. Er schafft Absätze und Atempausen, verlangsamt das Tempo. Dieser Schnitt realisiert sich häufig in Farb- oder Helligkeitssprüngen.

Neben dramaturgischen Überlegungen muss für die Bestimmung der Bildübergänge das Material erst einmal auf Blickzentren und Bildschwerpunkte hin untersucht werden. So kann man erahnen, welchen Verlauf der Blick des Zuschauers später nehmen könnte.

Bei zentrierten Bildern macht sich der Blick spontan an einer bestimmten Stelle des Bildes fest. Hat das Bild aber kein eindeutiges Blickzentrum, nennt man es diffus. Zusätzlich werden gemeinsame grafisch-visuelle Merkmale zweier Bildfolgen gesucht, um leichter einen fließenden Schnitt erzeugen zu können. Dabei kann der Bildinhalt ganz unterschiedlich sein.

Mit Hilfe diffuser Filmbildfelder können diffuse Einstellungsverkettungen gebildet werden. Dabei braucht sogar nur eines der beiden Bildfelder an einer Schnittstelle diffus zu sein. Da kein Sprung des Blickzentrums stattfindet, empfinden wir dies auch als weichen Schnitt.

Diffuse Bildfelder können natürlichen Ursprungs sein oder später im Kopierwerk oder am Schnittplatz erzeugt werden. Natürliche diffuse Bildfelder entstehen zum Beispiel, wenn ein Schauspieler so nah an die Kamera kommt, dass er sie verdeckt oder eine Wischblende, die durch ein nah an der Kamera vorbeifahrendes Auto entsteht.

Die Kopplung zentrierter Bildfelder an einer Schnittstelle ist komplizierter und lässt sich nochmals untergliedern. Beim zentrierten Schnitt liegen die Bildzentren der Bildfelder an der Schnittstelle an derselben Stelle. So entstehen weiche, vielleicht sogar unsichtbare Schnitte. Liegen die Blickzentren nicht an derselben Stelle, kann man testen, ob sie vielleicht symmetrisch zueinander liegen. D. h. wenn das Blickzentrum der einen Einstellung in der linken, oberen Ecke liegt, ob das Blickzentrum in der nächsten Einstellung dann in die untere, rechte Ecke zu bekommen ist. Dabei ist es von Vorteil, wenn im Blickzentrum jeweils das gleiche Objekt auftaucht. Dies wird als Kontinuität der Bewegung wahrgenommen. Der Schnitt ist zwar mehr oder weniger hart, irritiert aber nicht.

Ist keines dieser Ordnungsprinzipien erkennbar, wird eine Einstellungsverkettung zu einer wilden Schnittverbindung. Diese wird entweder dazu genutzt einen gezielten harten Schnitt zu schaffen, kann aber auch harte aber nicht irritierende, weiche und sogar selten mal einen unsichtbaren Schnitt ermöglichen. Will man aber mit einer wilden Einstellungsverkettung einen fließenden weichen oder unsichtbaren Schnitt zu erreichen, muss man oft lange ausprobieren und auf den Zufall bauen.

 

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