Das Drehbuch vermarkten Irgendwann kommt für die meisten Autoren der Augenblick, vor dem sie sich am meisten fürchten: Wie ein Chamäleon muss sich der Autor vom zurückgezogen schreibenden Einzelgänger zum Geschäftsmann mutieren ... und sein Werk verkaufen. „Es war ungefähr ein Jahr nach Ende des ersten Weltkriegs. Ich baute damals in Berlin eine kleine Filmgesellschaft, die ‚Decla‘ auf. Ich war sehr angetan von der Art, wie sich die Dinge entwickelten, obwohl es in der Nachkriegszeit wenig Geld, Filmmaterial und Elektrizität gab. Unsere wertvollsten Ausrüstungsstücke waren unser Enthusiasmus und unser Einfallsreichtum. Das Unternehmen ließ keinem viel Zeit zur Erholung, deswegen benutzte ich die Mittagspause zum Ausspannen. Während dieser Mittagspause klopfte eines Tages jemand so schüchtern an meine Bürotür, dass ich gar nicht erst antwortete. Trotzdem öffnete sich die Tür, und zwei junge Männer traten ein. Als sie sahen, dass jemand im Zimmer war, klopften sie noch einmal und fragten nach Herrn Pommer. Ich sagte: ‚Ich glaube nicht, dass Sie ihn heute treffen können.‘ Sie sprachen abwechselnd: ‚Wir haben eine Geschichte, die ihn sicher interessieren wird.‘ ‚Herr Pommer ist ein sehr beschäftigter Mann. Lassen Sie Ihre Geschichte doch hier. Ich werde dafür sorgen, dass er sie bekommt.‘ ‚Das können wir nicht machen. Wir wissen, dass sie, wenn wir sie offiziell einreichen würden, doch nur von Schreibtisch zu Schreibtisch wandert. Deswegen sind wir entschlossen, sie ihm persönlich vorzutragen.‘ ‚Tut mir leid.‘ Aber sie gaben es noch nicht auf. ‚Schade. Wir haben eine Menge Ideen, aber wir scheinen es nie zu schaffen, sie an den richtigen Mann zu bringen. Und diese Idee ist wirklich etwas Neues, etwas ganz anderes.‘ Ich versuchte jetzt mit einem anderen Trick, sie loszuwerden. ‚Ich vertraue Ihnen ein Geheimnis an. Ich selbst bin Pommer, aber ich habe wirklich keine Zeit, mir irgendwelche Geschichten anzuhören. Können Sie sie mir nicht dalassen?‘ ‚Schenken Sie uns doch wenigstens zehn Minuten! Wenn Ihnen nicht gefällt, was wir Ihnen bis dahin erzählt haben, können Sie uns unterbrechen, und wir werden sofort gehen.‘ Sie blieben drei Stunden, und bevor sie gingen, schrieb ich ihnen einen Scheck über achthundert Mark aus. Ihre Geschichte hieß ‚Das Kabinett des Dr. Caligari‘“ Zitiert nach: Hans C. Blumenberg, Film positiv, Düsseldorf 1968 |
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