Filmmontage
Räumliche Orientierung schaffen

Will man Montage verstehen, ist es hilfreich, sich immer wieder an die  Grundzüge der menschlichen Wahrnehmung zu erinnern.

Unser Gehirn bzw. das visuelle System, versucht immer zwischen zwei aufeinander folgenden Seheindrücken einen Zusammenhang herzustellen. Immer dann, wenn sich der Zuschauer räumlich orientieren muss, wird Aufmerksamkeit von der Story abgezogen - kann er der Handlung des Films nicht oder nur begrenzt folgen. Wenn es dramaturgisch wichtig erscheint, dass der Zuschauer nicht durch mangelnde Orientierung verwirrt wird, sollte man ihn durch mangelnde räumliche Orientierung nicht verwirren.

Man kann aber gerade diese Verwirrung aber dramaturgisch einsetzen: Es wird Aufmerksamkeit erzeugt. Der Zuschauer soll emotional die Situation der handelnden Person nachfühlen können (Verwirrung, Anspannung, Stress, Orientierungs- oder Hoffnungslosigkeit ...).

Damit sich der Zuschauer im Raum orientieren kann, muss klar gezeigt werden, wo sich die Handlung abspielt, und was genau sich abspielt. Das kann man durch verschiedene Einstellungsgrößen erreichen. Die Totale zeigt, wer anwesend ist, geht es um Emotionen, ist eine Nahaufnahme besser. Es muss nicht unbedingt alles zu hören oder zu sehen sein, aber der Inhalt muss klar beim Zuschauer ankommen.

Unser Gehirn braucht nur ein paar Sekunden, um Räume wahrzunehmen. Die Einordnung einer Person erfordert sogar mehr Zeit. Der Zuschauer will sich ein Bild von ihr machen, will sie kennen lernen und einschätzen, ob er sie mag oder nicht. Solch eine Personeneinführung kann man zum Beispiel mit einer Ellipse verwirklichen.

Man unterscheidet zwischen Schnittmustern innerhalb einer Szene (innersequentiell) und transsequentiellen Mustern, die eine bestimmte strukturelle Anordnung von Sequenzen (oder Szenen) bezeichnet.

Wir gehen hier auf das  180°-Prinzip ein, das bei einer überschaubaren Folge von einigen Schnitten innerhalb einer örtlich begrenzten Szene angewandt wird.

Die transsequentiellen Muster werden vorrangig dazu genutzt, einer Handlung Kontinuität zu geben und Orientierung beim Zuschauer zu schaffen.

Schnittmuster sind nicht statisch: Sie entwickeln sich ständig weiter. Sie bergen eine ungeheure gestalterische Vielfalt. Solche Konventionen, Muster, Prinzipien, kann man einhalten, sich an sie anlehnen oder außer Kraft setzen. Voraussetzung dafür ist aber, dass man ihre Wirkung kennt.

 
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