‚The Bee Gees‘ Review: Night Fever, für Jahrzehnte

„The Bee Gees: How Can You Mend a Broken Heart“ zollt den Gibb-Brüdern mit einer Tour durch ihre Popmusik-Herrschaft Tribut. Die unterhaltsame Dokumentation groovt sich durch die Jahrzehnte und will beweisen, dass die Bee Gees mehr waren als Hitmacher für Disco-Nachtclubs. Vielmehr waren Barry, Maurice und Robin meisterhafte Songschreiber und Chamäleons, die sich ständig neu erfanden, um mit der Zeit zu harmonieren.

Der Regisseur Frank Marshall arbeitet hauptsächlich mit Archivmaterial, das er mit Interviews – sowohl originalen als auch alten – der Brüder und ihrer Mitstreiter schneidet, und stellt die Höhen und Tiefen der Band in einer Chronologie der populären Musik der 60er, 70er und 80er Jahre dar. Anfangs erinnerten die Bee Gees, die sich in jungen Jahren formierten, an frühe Beatles-Alben. Als sich ihre trällernden Harmonien weiterentwickelten, stieg der Stern der Brüder auf.

Der Film zeigt nicht nur die Persönlichkeiten der einzelnen Mitglieder, sondern bietet auch einen guten Einblick in den Prozess der Musikproduktion und -vermarktung. Barry erinnert sich, dass er sein Markenzeichen, die Falsettstimme, gefunden hat, die später in Disco-Hits wie „Stayin‘ Alive“, nachdem ein Produzent ihn drängte, sich bei den Aufnahmen zu „Nights on Broadway“ auszutoben. Barry gesteht auch, dass der Song ursprünglich „Lights on Broadway“ hieß; ein Manager schlug vor, den Text zu ändern, um die Band erwachsener erscheinen zu lassen.

Sobald die Disco-Ära erreicht ist, gerät die Dokumentation ins Stocken. Interviews mit dem DJ Nicky Siano und dem Dance-Music-Produzenten Vince Lawrence zeigen, wie Disco in schwarzen und schwulen Milieus entstand, bevor die Musik kommerzialisiert und schließlich in einer durch Rassismus und Homophobie ausgelösten Gegenreaktion abgeschafft wurde. Der Film deutet an, dass die Bee Gees, die nach „Saturday Night Fever“ immer stärker mit dem Genre verbunden waren, in das Chaos hineingezogen wurden. Entscheidend ist, dass Marshall es versäumt, zu untersuchen, wo die Bee Gees in die Geschichte der Weißwaschung und des Profits von schwarzer Musik passen. Für einige nervige Takte rutscht der Film in die Hagiographie ab – wie eine peinliche Bridge in einem Song, der ansonsten Lust auf die Tanzfläche macht.